Chronik 1981–1988

1981

  • Der GK verfügt ausweislich einer aus dieser Zeit erhaltenen Chorliste über 56 Knabenstimmen (Sopran und Alt) und 25 Männerstimmen (Tenor und Bass). Franz Herzog hat damit seinem Nachfolger ein gut bestelltes Feld hinterlassen, denn die jungen Sänger sind nicht nur zahlreich, sondern auch bestens geschult und hoch motiviert. Zudem ist der neue Chorleiter – die offizielle Wahl von Torsten Derlin erfolgt in einer Mitgliederversammlung des Fördervereins im September – mit dem Repertoire des Chores vertraut und er kennt die organisatorischen Abläufe aus seiner Zeit als Sänger im Göttinger Knabenchor. Ein reibungsloser Übergang vom alten zum neuen Chorleiter scheint daher gesichert.
  • Anfang Mai tritt der GK unter der Leitung von Torsten Derlin mit einer musikalischen Abendvesper in der St. Jacobikirche auf. Bei dem Konzert in der gewohnten Besetzung mit Knaben- und Männerstimmen präsentieren sich die Männerstimmen des Chores in einem eigenen Programmteil unter der Leitung von Olaf Harmsen zum ersten Mal als „Göttinger Männerchor“ der Öffentlichkeit. In dieser neuen durch einen Chor im Chor erweiterten Konstellation geht der GK – der Männerchor hat sich inzwischen in „Collegium Cantorum Göttingen“ umbenannt – im Oktober auf seine erste Konzertreise nach dem Chorleiterwechsel. Ziel der Reise ist Dänemark mit Konzerten in Aalborg, Saltum und Fredrikshavn sowie der Norden Deutschlands mit Konzerten in Husum und Lübeck. Das Programm der Tournee mit A-cappella-Chorsätzen aus allen Epochen von der Renaissance über Barock, Klassik und Romantik bis hin zur Moderne hinterlässt auf allen Konzertstationen einen überaus positiven Eindruck, wie die Konzertkritiken belegen. In Göttingen war das Konzert bereits vor Antritt der Reise in der St. Albanikirche zu hören.
  • Das Kirchenkonzert mit dem Knabenchor und dem GSO im Rahmen der Göttinger Händel-Festspiele – zu hören sind neben zwei Orchesterwerken von Telemann und Händel der 114. Psalm für Doppelchor und Orchester „Als Israel nach Egypten zog“ op. 51 von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Händels III. Coronation Anthem „The King shall rejoice“ – findet nicht wie ursprünglich geplant unter der Leitung von Franz Herzog statt, sondern wird von dem Gastdirigenten Jürgen Jürgens geleitet. Die Einstudierung beim Knabenchor liegt jedoch in den Händen von Torsten Derlin.
  • In der 2. Jahreshälfte gründen Torsten Derlin, Olaf Harmsen und der Geschäftsführer des Fördervereins für den Göttinger Knabenchor, Udo Roestel, die „Schola Cantorum Göttingen – Göttinger Singschule e.V.“, deren Konzept sie am 1. Oktober im Felix-Klein-Gymnasium der Öffentlichkeit vorstellen. Knabenchor und Collegium Cantorum wirken mit musikalischen Beiträgen bei der Veranstaltung mit. Fortan führt der Weg in den GK über eine 2-jährige Ausbildung in der Singschule, scheinbar eine gute Lösung für die Nachwuchsgewinnung des Chores. Doch es gibt finanzielle Probleme. Um diese zu beheben werden Bankkredite zu Lasten des Knabenchores aufgenommen, der erste schon im November 1981, und weitere werden in den kommenden Jahren folgen. Dem Förderverein für den Göttinger Knabenchor bleibt diese Entwicklung zunächst aus nachträglich nicht mehr nachvollziehbaren Gründen verborgen.
  • In der Weihnachtszeit gastiert der Knabenchor mit der Weihnachtsmusik von Franz Herzog und weihnachtlichen Liedern in der Pfarrkirche Seulingen. Das Konzert wird in der St. Albanikirche in Göttingen unter der Mitwirkung von Bläsern und Pauken des GSO wiederholt. Darüber hinaus wirkt der Chor an der vorweihnachtlichen musikalischen Morgenveranstaltung der Stadt Göttingen in der Stadthalle mit.

1982

  • Mit der Mitwirkung in der Musik zu „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy in einem Abonnement-Konzert des GSO unterstreicht der Göttinger Knabenchor im Januar die Bandbreite seines Repertoires ebenso wie Ende Mai mit musikalischen Beiträgen vom Volkslied bis zu Robert Schumanns „Zigeunerleben“ bei der Festveranstaltung des Sachsentages in der Stadthalle.
  • Im Juni wird der Gründer und langjährige Leiter des GK, Franz Herzog, mit einem Konzert in der Universitätsaula und einem Empfang im Alten Rathaus offiziell von der Stadt Göttingen und seinem Chor verabschiedet. Oberbürgermeister Artur Levi würdigt in seiner Ansprache die hervorragende musikalische und pädagogische Arbeit, die Franz Herzog beim systematischen Aufbau des Knabenchores in Göttingen über zwei Jahrzehnte geleistet hat und erinnert besonders an gemeinsame Konzerte mit dem Posener Knabenchor und Konzertveranstaltungen in anderen polnischen Städten, womit er indirekt einen wichtigen Beitrag zum Zustandekommen der Städtepartner­schaft mit Torun geleistet habe. Bei dem vorausgegangenen Festkonzert in der Aula mit dem GK und Udo Roestel als Gesangssolist sowie Falk Zimmer und Martin Sander am Klavier waren zuvor Werke von Franz Herzog zu hören (darunter eine Uraufführung).
  • Eine leichte Übung am Rande ist der Auftritt des Knabenchores im Alten Rathaus beim Altstadtfest Ende August. Dabei ist der Knabenchor gewissermaßen das „Zugpferd“, um die mitwirkenden Singgruppen und den inzwischen neu gegründeten Mädchenchor der Schola Cantorum publik zu machen.
  • Im Herbst geht der Knabenchor wieder auf Konzerttournee, in diesem Jahr eine Drei-Länder-Reise (Frankreich, Deutschland, Schweiz) mit Konzerten in Paris und Suresnes, in Völklingen/ Saarland und in Basel und Breitenbach/ Schweiz. In der Woche vor der Abreise war das Konzertprogramm der Tournee – geistliche Chormusik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert – bereits in der Frankenberger Kirche in Goslar und in St. Jacobi in Göttingen zu hören. Ein besonders eindrucksvolles Reiseerlebnis für die Choristen ist das Nachmittagskonzert in Notre Dame vor über eintausend Zuhörern, das am Abend in St. Germain des Prés wiederholt wird. In der Schweiz ist der Chor bei der Knabenkantorei Basel zu Gast, mittlerweile zum dritten Mal, und auch in Breitenbach gastierte der Chor schon mit großem Erfolg unter Franz Herzog. Die Konzertkritiken sind voll des Lobes über die „tadellose Stimmbildung, reine Intonation, den disziplinierten Vortrag und die reich abgestufte Dynamik“ des Chores. Das Konzert in der Versöhnungskirche in Völklingen wird vom Saarländischen Rundfunk mitgeschnitten.
  • Bis zum Jahresende ist der Terminkalender des Chores noch einmal prall gefüllt: Mitwirkung der Knabenstimmen im GSO-Konzert „Hänsel und Gretel“ von E. Humperdinck Ende Oktober; Konzertabend der Sparkasse Göttingen mit dem GK in der Stadthalle Anfang November; Adventskonzert in der Stiftskirche Bad Gandersheim Ende November; Jubiläumskonzert – der Göttinger Knabenchor wird in diesem Jahr 20 – am 4.12. in der Universitätsaula; kleines Adventskonzert am 16.12. im Goethe-Institut Göttingen; Weihnachtskonzert mit der Weihnachtsmusik von Franz Herzog am 18.12. in der St. Jacobikirche (Mitwirkende: Martin Heubach an der Orgel und Udo Roestel als Gesangssolist).

1983

  • Das Chorjahr ist angefüllt mit besonders vielen Konzertauftritten, die den jungen Sängern kaum eine Verschnaufpause lassen. Es beginnt im Februar mit der Mitwirkung bei Lortzings „Wildschütz“, einer Aufführung der Studio-Oper Felix Dolling in der Stadthalle. Am 17. April folgt ein Konzert des Knabenchores in St. Jacobi unter der Leitung von Torsten Derlin, bei dem ausschließlich Werke von Johann Sebastian Bach erklingen: die Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ sowie die Kantaten Nr. 82 „Ich habe genug“, Nr. 84 „Ich bin vergnügt mit meinem Glücke“ und Nr. 47 „Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedrigt werden“. Mitwirkende sind das Kammerorchester St. Jacobi und als Gesangssolisten Uta Spreckelsen (Sopran) und Udo Roestel (Bass).
  • Gleichzeitig sind die „Posener Nachtigallen“ (Knaben- und Männerchor der staatlichen Philharmonie Poznan) wieder einmal zu Gast beim Göttinger Knabenchor. Die Gäste führen unter ihrem Leiter Prof. Stefan Stuligrosz am 19. April in der St. Jacobikirche mit großem Erfolg G. F. Händels „Messias“ auf. Mit dabei das Orchester der Staatsphilharmonie Poznan.
  • Geistliche Chormusik mit Werken von Jacobus Gallus (Ecce quomodo moritur), Heinrich Schütz (Verleih uns Frieden), J. S. Bach (die schon erwähnte Motette aus dem Bach-Konzert vom April), Davide Perez (Tenebrae factae sunt), Friedrich Silcher (Sanctus) sowie aus der neueren Zeit von Francis Poulenc (Quatre petites prières), Georgius Deákbárdos („Eli! Eli!“) und Randall Thompson (Alleluia) steht bei Konzerten des GK unter der Leitung von Torsten Derlin am 13. und 15. Mai in St. Albani und im Dom von Bad Gandersheim auf dem Programm. Orgelimprovisationen des Gandersheimer Domkantors Martin Heubach fügen sich in beiden Konzerten harmonisch in das Programm ein.
  • Schon im Juni tritt der GK im Rahmen der Göttinger Händel-Festspiele erneut in einem Chorkonzert in der Jacobikirche auf mit der Motette „In pace“ von Josquin Desprèz sowie Werken von J. Gallus, H. Schütz und J.S. Bach, die auch in der geistlichen Chormusik einen Monat zuvor gesungen wurden. Dazu das Werk von Franz Herzog „Fluch des Krieges“ (in der 2. Fassung für 4-stimmigen Chor, Klavier und Bass-Solo) nach Gedichten von Li Tai Pe in der Nachdichtung von Klabund.
  • Bei einer kleinen Konzertreise nach Stuttgart auf Einladung der Stuttgarter Hymnusknaben ist dieses Konzertprogramm unter dem Titel „In pace“ anschließend auch in Stuttgart und Völklingen im Saarland zu hören begleitet von Zoltán Kárpati (Orgel), Falk Zimmer (Klavier) und Udo Roestel (Bass-Solist), die auch an dem Göttinger Konzert mitgewirkt haben. Beim Publikum und den Konzertkritikern hinterlässt vor allem der Liederzyklus „Fluch des Krieges“ des Chorgründers Franz Herzog einen tiefen Eindruck.
  • Passend zum Anlass und Rahmen ist das musikalische Angebot des GK (die Singschule ist wiederum mit beteiligt) beim Göttinger Altstadtfest Ende August eher leichte Kost: eine bunte Volksliedpalette sowie Rhythmen aus Musical und Pop und dazwischen Stücke aus Franz Herzogs „Palmström“-Vertonung.
  • Im Rahmen der Gandersheimer Dommusiktage gastiert der GK am 24. September in Bad Gandersheim mit einem geistlichen A-cappella-Programm von Desprèz über Gallus, Scarlatti, J. S. Bach, Perez und Mozart bis hin zu Brahms, Britten und Poulenc.
  • Die große Konzertreise des GK geht vom 30. September bis 7. Oktober nach Belgien und England mit Konzerten in Antwerpen, London, Coventry, Gloucester und Cheltenham. In England ist der Chor in der Göttinger Partnerstadt Cheltenham beim North Cloucestershire Youth Choir zu Gast. Die Choristen sind auf diese Reise gut vorbereitet, da das musikalische Programm den zuvor in Göttingen und Bad Gandersheim gesungenen geistlichen Chorkonzerten entspricht.
  • Mit einem ganz anderen Programm von Schubert über Bernstein bis zu den Beatles tritt der GK Ende Oktober im Bürgerhaus Bovenden auf. Wenige Wochen später folgen die Weihnachtsauftritte: Weihnachtskonzerte in Bad Lauterberg und Göttingen am 11. und 18. Dezember neben weihnachtlichen Liedbeiträgen in der musikalischen Morgenveranstaltung der Stadt Göttingen in der Stadthalle und beim Weihnachtsbasar im Cheltenham-Haus.

1984

  • Das erste Konzert des neuen Chorjahres – Mozarts Requiem am 25. März in der St. Jacobikirche – ist für den Knabenchor ein großer Erfolg. Das Presse-Echo auf dieses gemeinsame Konzert von Knabenchor und GSO unter der Leitung von Torsten Derlin lobt nicht nur die Gesamtleistung aller Beteiligten als „außerordentlich gelungen“, sondern bei den Einzelleistungen auch den Knabenchor, der sich durch „die Elastizität der Stimmen, präzise Stimmführung und einen geschlossenen weichen Klang“ ausgezeichnet habe.
  • Bei einem Heimattreffen der Vertriebenen und Flüchtlinge aus Kreuzburg, eine Stadt in Oberschlesien, für die Göttingen seit 30 Jahren die Patenschaft übernommen hat, trägt der GK Anfang Mai mit Stücken aus seinem weltlichen Repertoire zur musikalischen Umrahmung der Feierstunde in der Stadthalle bei.
  • Ein abendfüllendes Programm mit weltlichen Chorsätzen (u. a. von Leo Hassler, Giovanni Gastoldi, Thomas Morley, Robert Schumann, Johannes Brahms, Friedrich Silcher und Hugo Alven) bringt der Knabenchor Ende Mai im GDA-Wohnstift zu Gehör.
  • Vom 28. Juni bis 3. Juli ist der San Francisco Boys Chorus zu Gast beim GK, ein reiner Knabenchor ohne Männerstimmen, der 1948 von Kurt Adler gegründet wurde. Chorbesuche aus dem In- und Ausland gehören beim GK – wie bei vielen anderen Knabenchören auch – zur guten Tradition, bei der sich vor allem die Choreltern engagieren, die die Gäste beherbergen und für ihr leibliches Wohl sorgen. Durch die Gastfreundlichkeit unserer Choreltern und ein dankbares Publikum bei den Konzerten der auswärtigen Gäste haben schon viele junge Menschen auf ihren Konzertreisen schöne Erinnerungen an Göttingen mitgenommen.
  • Ende Oktober geht der GK wieder mit einem geistlichen A-cappella-Programm auf Konzerttournee. Konzertstationen sind nach Bamberg: Salzburg und Kloster St. Florian (die Bruckner-Wirkungsstätte) in Österreich und auf der Rückreise Wiesbaden. Dort ist der Chor – nicht zum ersten Mal! – zu Gast beim Wiesbadener Knabenchor. In Göttingen waren Teile des Reiseprogramms zuvor schon in einem Benefizkonzert in der St. Jacobikirche für die Instandsetzung der Orgel zu hören.
  • Der Rat der Stadt Göttingen bewilligt im Dezember eine Erhöhung des städtischen Zuschusses von bisher 25.000 auf 40.000 DM für das kommende Jahr, ein positives Signal für die umfangreiche musikalische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im GK, das dankbar registriert wird.
  • Ein weiteres Kooperationsprojekt Göttinger Musikinstitutionen in diesem Jahr ist die Mitwirkung des GK im Weihnachtskonzert der St. Jacobi-Kantorei mit Weihnachtsmusik des 19. und 20. Jahrhunderts von Otto Nicolai, Arthur Honegger und Friedrich Kiel, die nur selten zu hören ist. Neben der St. Jacobi-Kantorei und dem Knabenchor wirken an dem Konzert unter der Leitung von Arwed Henking auch das GSO, drei Gesangssolisten und Martin Sander an der Orgel mit. Zum Abschluss des Chorjahres erklingt wie immer das Weihnachtskonzert des Knabenchores, diesmal mit vielen weihnachtlichen Liedern aus dem europäischen Ausland neben drei kleinen Motetten alter Meister.

1985

  • Zum zweiten Mal in der Geschichte des GK steht wieder eine USA-Tournee an. Für das heimische Publikum präsentiert der Chor am 13. März in der Stadthalle unter dem Titel „Hits und Evergreens von Klassik bis Show“ eine Auswahl aus seinem vielfältigen Tourneeprogramm.
  • Die Tournee vom 26. März bis 16. April geht in den Westen der USA. In Tucson und Phoenix in Arizona sowie Pasadena und San Francisco in Kalifornien ist der Chor bei amerikanischen Knabenchören zu Gast, die ein umfangreiches Konzertprogramm organisiert haben. Bei Kirchenkonzerten tritt der GK mit einem geistlichen Programm aus dem Repertoire der Vorjahre auf, in verschiedenen Schulen/ Hochschulen, Clubs und bei anderen Gelegenheiten – u. a. in Disneyland, Anaheim – darüber hinaus mit klassischen weltlichen Kompositionen, Volksliedern und deutschen und amerikanischen Klassikern der Unterhaltungsmusik. Die Resonanz des Publikums ist überall überwältigend herzlich und anerkennend.
  • Ende April wirkt der Knabenchor in einem GSO-Konzert in der Stadthalle mit. Der nächste Auftritt des Chores beim Altstadtfest Ende August ist, wie es scheint, business as usual, doch dann wird Torsten Derlin nur wenige Tage später überraschend von seinen Aufgaben als Chorleiter des GK entbunden, „im gegenseitigen Einvernehmen“, wie es in der Presseverlautbarung der Geschäftsleitung heißt. Zu seinem Nachfolger wird der Gandersheimer Domkantor Martin Heubach berufen, der diese Aufgabe nebenberuflich übernimmt. Das Weihnachtskonzert des GK in der Landolfshäuser Kirche wird bereits von Martin Heubach geleitet.

1986

  • Unter seinem neuen Chorleiter, Martin Heubach, tritt der GK am 15. Mai eine einwöchige Konzertreise nach Südfrankreich an. Die Konzerte in Cuges-les-Pins, La Ciotat und Aubagne finden auf Einladung der Maîtrise Gabriel Fauré in Marseille im Rahmen der europäischen Musikreihe „Pax Cantans“ statt. Mitwirkende in den Konzerten mit Werken von Antonio Caldara (Messe E-Moll), Georg Philipp Telemann (Konzert für drei Trompeten, Pauken und Streicher), Antonio Vivaldi („Nisi dominus“) und Johann Sebastian Bach (Kantate „Erschallet ihr Lieder“, BWV 172) sind neben dem Knabenchor ein Solistenensemble und das Nordwestdeutsche Barockcollegium.
  • Das Konzert ist nach der Rückkehr von der Reise in gleicher Besetzung auch im Kaiserdom von Königslutter (24. Mai), in der Schlosskirche Osterode (25. Mai), in der St. Albanikirche in Göttingen (5. Juli) und im Rahmen der Domfestspiele Bad Gandersheim (6. Juli) zu hören.
  • Das Weihnachtskonzert mit der 6-stimmigen Motette „Machet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt und weihnachtlichen Chorsätzen von Michael Praetorius, Franz Herzog, Jacobus Clemens, Joh. Seb. Bach und Johann Eccard findet am 6. Dezember in der Kirche zu Naensen statt.

1987

  • Der Göttinger Knabenchor feiert seinen 25. Geburtstag, doch das Jubiläum wird von finanziellen Sorgen überschattet. Angesichts des mittlerweile dramatischen Schuldenberges von 60.000 DM beschließt die Mitgliederversammlung des Fördervereins für den Göttinger Knabenchor im Mai die Ablösung des Vorstands und Trennung von seinem bisherigen Geschäftsführer Udo Roestel. Als neue Geschäftsführerin wird Dagmar Friedrich in den Vorstand gewählt sowie Hermann Schommartz als Vorsitzender, Thomas Härtel als dessen Stellvertreter und Helga Menke als Beisitzerin. Die Geschäftsführung des Chores wird fortan wieder ehrenamtlich und unentgeltlich geleistet. Zudem wird durch die Neuwahl des Vorstands die personelle und wirtschaftliche Verquickung mit der Singschule beendet.
  • Zur Entlastung des Chorleiters Martin Heubach, der hauptberuflich in Bad Gandersheim tätig ist, übernimmt Anke Hauenschild ab August die Leitung des Vorchores. Sie leitet darüber hinaus ebenso wie die Stimmbildnerin Carola Bodanowitz einen Teil der Stimmproben bei den Knaben.
  • Die Choristen freuen sich über eine einwöchige Sommerchorfreizeit in Burg auf Fehmarn und sind anschließend umso motivierter für die Probenarbeit. Der Chor tritt im August mit einem weltlichen Liederprogramm zum Göttinger Altstadtfest im alten Rathaus auf, singt im Eröffnungsgottesdienst der 8. Gandersheimer Dommusiktage im September und ist zusammen mit der Gandersheimer Domkantorei und einem Instrumentalkreis in Weihnachtskonzerten in St. Albani, Göttingen, und im Gandersheimer Dom zu hören. An einem Chorwochenende im November im Herman-Nohl-Haus in Lippoldsberg war die Vorbereitung der Choristen auf die Weihnachtskonzerte intensiviert worden. Weitere Auftritte des Göttinger Knabenchores im Dezember sind die musikalische Gestaltung der Weihnachtsfeier des Kneipp-Vereins im Groner Altenzentrum und die Mitwirkung in der Familienvesper der St. Jacobikirche am Heiligen Abend.
  • Drei auswärtige Knabenchöre sind im Laufe des Jahres auf ihren Konzertreisen zu Gast beim Göttinger Knabenchor: der Staats- und Domchor Berlin (Konzert am 1.6. in der neuen Baptistenkirche), der Phoenix-Boys-Choir, USA (Konzert am 8.6. in der Stadthalle Göttingen) und die Chorknaben aus Uetersen (Konzert am 4.10. in der Marienkirche).

1988

  • Die finanziellen Probleme des Chores spitzen sich zum Jahresbeginn zu, nachdem bekannt wurde, dass die Ratsfraktionen von SPD und GAL in ihrer Haushaltsverein­barung eine Halbierung des städtischen Zuschusses von ursprünglich 40.000 DM (1985 und 1986;1987 allerdings nur noch 36.000 nach 10%iger Kürzung) auf 20.000 DM planen. Der Vorsitzende des Fördervereins und die Geschäftsführerin setzen sich in einem Brief an die Ratsfraktionen für den Erhalt des städtischen Zuschusses in der ursprünglichen Höhe ein ebenso wie die Elternvertreterinnen des Chores Dr. Lieselotte Klose und Heike Wehnert. In einem im Göttinger Tageblatt veröffentlichten Leserbrief schließen sich weitere Choreltern der Protestaktion an. Am Ende bewilligt die Ratsmehrheit mit den Stimmen von SPD und CDU für 1988 einen Zuschuss in Höhe von 30.000 DM für den Göttinger Knabenchor, was einer 25%igen Kürzung des städtischen Zuschusses innerhalb von zwei Jahren gleichkommt.
  • Trotz der angespannten finanziellen Situation läuft der Probenbetrieb des Chores zunächst normal weiter. Im Februar verbringen die Choristen mit ihrem Chorleiter ein Probenwochenende in Dassel im Solling und im April eine Chorfreizeit auf Borkum zur Vorbereitung auf die geplante Aufführung der Krönungsmesse von W. A. Mozart im August. Ende Mai tritt der Chor mit geistlichen Liedern im Gottesdienst der St. Mariengemeinde auf. Carola Bodanowitz und Anke Hauenschild beenden im April bzw. Juni ihre Tätigkeit beim GK. An ihrer Stelle werden die Stimmproben der Knabenchoristen und der Vorchor nun von Stefan Kaden geleitet. Die Stimmbildung kann aus finanziellen Gründen vorerst nicht fortgesetzt werden.
  • Musikalischer Höhepunkt des Chorjahres ist die Aufführung der Krönungsmesse von W. A. Mozart unter der Leitung von Martin Heubach am 20. und 21. August in St. Jacobi, Göttingen und im Gandersheimer Dom. An den gänzlich Mozart gewidmeten Kirchenkonzerten sind neben dem Knabenchor die Gandersheimer Domkantorei, ein Solistenensemble, das Orchester der Gandersheimer Dommusiken sowie Anke Hauenschild an der Orgel beteiligt. Die Konzerte in Göttingen und Bad Gandersheim sind zugleich die letzten Auftritte des GK unter der Leitung von Martin Heubach, der Ende September von seiner Chorleiterfunktion zurücktritt, nachdem eine Verständigung mit dem Vorstand über eine Reduzierung der Chorleiterpauschale gescheitert war.
  • Der von Michael Schäfer am Klavier begleitete Auftritt des Knabenchores mit den Ringelnatzliedern von Manfred Züghart und einigen bekannten Volksweisen beim Göttinger Altstadtfest im Alten Rathaus wird interimsweise von Stefan Kaden geleitet ebenso wie das Weihnachtskonzert des Chores am Samstag vor dem 3. Advent in St. Marien. Mit den Ringelnatzliedern ist der Göttinger Knabenchor im September auch an Konzerten der Jugendmusikschule des Landkreises Göttingen in Hann. Münden und Duderstadt unter der Leitung von Mario Liepe beteiligt. Im Dezember wirkt der Chor mit weihnachtlichen Liedern in der 25. Musikalischen Morgenveranstaltung der Stadt Göttingen in der Stadthalle mit sowie – wie fortan jedes Jahr – an der musikalischen Ausgestaltung der Christvesper in St. Marien am 24. Dezember. Auf die vermehrten Auftritte in der Weihnachtszeit wurden die Choristen an zusätzlichen Probenwochenenden und während einer Chorfreizeit in Dassel/ Solling im November von Stefan Kaden gründlich vorbereitet.
  • In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins wird Stefan Kaden im November mit Wirkung zum 1. Februar 1989 zum neuen Chorleiter des Göttinger Knabenchores gewählt. Aufgrund seiner musikalischen Ausbildung beim Dresdner Kreuzchor mit anschließendem Musikstudium in Dresden verbinden Vorstand und Verein mit dieser Wahl die Hoffnung, dass der neue Chorleiter die von Franz Herzog gepflegte sächsische Knabenchortradition in Göttingen fortsetzen wird. Hoffnungsvoll für die Zukunft des Göttinger Knabenchores stimmt zum Jahresende auch eine Vereinbarung mit der Sparkasse Göttingen über einen 50%igen Schuldenerlass bei einem aktuellen Schuldenstand von 48.000 DM.