Germershausen 2019, Tag 6 (11.08.2019)

Der letzte Tag der Probenfreizeit war in diesem Jahr probenfreie Zeit! Nach dem gelungenen Konzert am letzten Abend ging es heute zum Abschluss an den Seeburger See.

Schon vor dem Frühstück wurden die Koffer gepackt und die Zimmer abreisefertig gemacht. Hut ab an dieser Stelle für den Männerchor, der trotz recht wenig Schlaf seine Sachen packte und rechtzeitig zum Frühstück erschien! Nach dem Frühstück galt es, alle Vor- und Hauptchoristen zum Seeburger See zu transportieren. Dafür wurde auf die Leihfahrräder der Bildungsstätte sowie auf mitgebrachte eigene Fahrräder zurückgegriffen, so das über 60 Radfahrer sich auf den kurzen Weg zum Seeburger See machten. Dieser verlief abgesehen von einem Platten reibungslos.

Das Sammeln der Radfahrer war ein gut organisiertes Chaos.

Am See angekommen, stürmte der Göttinger Knabenchor das Freibad und sprang ins Wasser (manche wurden auch gesprungen).

Wir seh’n die Welt von oben…
…oder auch kopfüber!

Während die einen sich noch einmal sportlich verausgabten, zogen andere ein ruhiges Katenspiel oder ein ausgedehntes Sonnenbad vor. Das Wetter war uns heute wie überhaupt während der gesamten Probenfreizeit gewogen: Nicht vollkommen verregnet wie 2017 oder extrem heiß wie 2018, sondern angenehm sommerlich.

Nachdem wieder alle wohlbehalten in der Bildungsstätte angekommen waren, war die diesjährige Probenfreizeit schon fast vorbei! In der Turnhalle gab es während eines Abschlussplenums die letzten Ansagen. Dort dankte der Chor auch dem gesamten Team für seine tolle Arbeit mit frenetischem Applaus. Um 15:00 kamen dann die Eltern, um ihre erschöpften, aber glücklichen Söhne abzuholen. Auch eine beachtliche Truppe von 18 Radfahrern machte sich erneut auf dem Weg, diesmal nach Göttingen, wo sie gegen 18:15 ankamen. 

Der Hauptchor hat auf dieser Probenfreizeit erneut seine Qualität unter Beweis gestellt: Wenn ein Chor sich selbst diszipliniert, so das der Chorleiter nie um Ruhe bitten muss, wenn elfjährige Soprane in der Probe selbstständig über Atemstellen während einer Bachkolloratur diskutieren, dann ist eine gute Probenatmosphäre vorhanden! Trotz massiver Umbesetzungen in den Stimmen ist dann auch noch ein Konzert gelungen, das sich hören ließ. Auch der Vorchor, am Anfang kaum zu bändigen, ließ sich von dieser Stimmung anstecken und lieferte im Konzert eine sehr gute Leistung ab! Und nicht zuletzt kam der Spaß in und mit der Chorgemeinschaft nicht zu kurz. Dank dieser Freizeit ist der Chor jetzt bereit für die Herausforderungen der nächsten Zeit – Finnland, wir kommen!

Für den Blog zeichnen sich in diesem Jahr verantwortlich: Paul Herrmann, Till Koch.

 

Germershausen 2019, Tag 5 (10.08.2019)

Mit dem Ende der Freizeit näherte sich nun schon das Abschlusskonzert am heutigen Abend um 18:00 in der Reinhäuser St. Christopherus-Kirche. Zwar waren die Kräfte generell am Ende der Freizeit und insbesondere aufgrund der vorigen Nacht schon recht aufgebraucht, aber der Chor war entschlossen, noch einmal das Beste aus sich herauszuholen.

Die Gestaltung eines Abendkonzertes am Ende der Freizeit ist im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren ein Novum und eine besondere Herausforderung. Jedes Jahr während der Sommerfreizeit sortiert sich der Chor in großem Maße neu: Aus den Vorchören neu dazu gekommene Sänger müssen sich orientieren. Ältere Knabenstimmen müssen die Stimme wechseln oder sind gar überhaupt nicht mehr singfähig, weil sie über die Sommerferien in die Mutation gerutscht sind. In manchen Stimmen fehlen jetzt Führungskräfte, was die Verbliebenen dazu zwingt, in kurzer Zeit eine neue, stärkere Rolle zu übernehmen. Bisherige Mutanten haben sich entwickelt und müssen sich nun in den Männerstimmen zurecht finden. All das macht die Leistungsfähigkeit des Choren schwer kalkulierbar und ein Abendkonzert zu einem Wagnis.

In der Generalprobe am Vormittag in der Bildungsstätte lief aber vieles schon sehr gut. Nach einigen Reperaturen ging es dann in die Mittagspause, welche nach dem Essen einen verpflichtenden Mittagsschlaf für alle beinhaltete. Dies funktionerte, auch beim Vorchor, der nach der vergangenen Nacht deutlich dazu angehalten wurde, sich in der Mittagspause ruhig zu verhalten. Nach dem Mittagsschlaf folgte das Umziehen. Weil noch nicht alle neuen Männerstimmen einen Anzug hatten und nicht alle neuen Knabenstimmen die vollständige Montur, wurden die Kutten bzw. das Jackett durch unsere Poloshirts ersetzt.

Mit dem Bus ging es dann nach Reinhausen in die uns gut bekannte St. Christopherus-Kirche. Nach der Stellprobe gab es Snacks und Getränke für alle, die Gemeinde hatte sogar Süßigkeiten bereit gestellt.

Stimmbildner Florian Franke singt Vorchor (in gelb) und Hauptchor ein.
Snacks vor dem Konzert.

Zu unserer großen Freude begann sich die Kirche sofort nach der Stellprobe schnell zu füllen. Bei Konzertbeginn war jeder Platz besetzt, und für die letzten Nachzüger gab es nur noch Stehplätze. Nach einer Begrüßung durch Dr. Christian Laack, der das Konzert für die Reihe „Musik auf dem Kirchberg“ organisiert und auch so erfolgreich beworben hatte, machte der Vorchor den Anfang mit einem Stück aus der „Wassermusik“ von Daniel Stickan, welche im Januar von Vorchören und Frühförderungsgruppen in Gänze aufgeführt werden soll.

Es folgte der Hauptchor, welcher zunächst Auszüge aus seinem geistlichen Programm präsentierte. Dabei stand die Motette „Jesu, meine Freude“ von J.S. Bach im Zentrum. Während der letzten Tage konnte natürlich noch nicht die gesamte Motette konzertreif erarbeitet werden. Die noch nicht fertigen Sätze wurden durch inhaltlich passende Stücke alter und neuer Meister (Tallis, Orbán, Gjeilo u.a.) ersetzt. Es folgte ein weltlicher Teil, darunter ein Stück, welches auf Initiative des Männerchors neu ins Programm aufgenommen wurde: „Loch Lomond“ begeisterte das Publikum. Highlights waren auch die Popsongs „Männer“ von Grönemeyer und „Sweet Dreams“. Die voll besetzte Kirche mit ihrer wunderbaren Akustik, aber vor allem die erfolgreiche Probenarbeit der letzten Tage bewirkte, dass der Chor ungeahnte Leistungen aus sich herausholte. Das Konzert war ein voller Erfolg!

Nun konnte gefeiert werden. Nach der Rückkunft in Germershausen wurde draußen gegrillt, und dann versammelten sich alle am wärmenden Lagerfeuer. Dank des Konzepts eines Konzertes am vorletzten Tag und eines freien Tages als Abschluss musste nun auch keine Rücksicht mehr auf die stimmliche Konstituion am nächsten Morgen gelegt werden. Für manche wurde es eine lange Nacht… und für jeden war es ein schöner Abschlussabend!

Ohne Worte.

Germershausen 2019, Tag 4 (09.08.2019)

Der Verfasser dieses Blogs hatte sich fest vorgenommen, in diesem Jahr erstmals konsequent noch am Abend jedes Tages von diesem zu berichten. Zeitraubende Ereignisse wie die Ankunft des Vorchors und das nahende Konzert in Reinhausen vereitelten dieses Anliegen aber erneut. Nun also nachträglich der Bericht über die letzten drei Tage der diesjährigen Probenfreizeit, beginnend mit dem Freitag:

Die morgendliche Joggingrunde hatte sich auf zwei Sportler reduziert, was im Vergleich zum vorigen Jahr immer noch eine Steigerung von 100% ist. Einige Knabenstimmen hatten sich schon um 7:00 morgens zum Billard verabredet, während der Männerchor wie immer größtenteils erst fünfzehn Minuten vor der ersten Probe frühstückte.

Während der Hauptchor einen ganz normalen Probenvormittag verbrachte, kam um 10:00 ein gigantischer Vorchor an: 25 Vorchoristen waren in diesem Jahr dabei, und erstmals, seit wir in der Bildungsstätte unsere Sommerfreizeit veranstalten, war jedes Zimmer belegt! Darüber freuen wir uns sehr, auch wenn der Lautstärkepegel insbesondere im Essensraum nun eine beunruhigende Höhe erreichte. Mit dem Vorchor erhielt auch das Betreuerteam wertvolle Verstärkung, Dorota und Carlotta kümmerten sich von nun an vor allem um den Vorchor. Dieser erhielt zunächst eine Führung durch das Haus, bevor auch er in die Probenarbeit einstieg. Schließlich ist morgen Abend schon das Abschlusskonzert in Reinhausen, und auch ein Auftritt des Vorchors ist angekündigt!

Am Nachmittag fand heute keine Mittagsruhe statt, im Gegenteil: Hauptchor und Vorchor spielten zusammen Fußball und Völkerball auf dem Fußballplatz bzw. in der Turnhalle. Dass dabei nicht immer das Schonen der Stimme im Vordergrund stand, liegt wohl in der Natur der Sache. Aber das gemeinsame Spielen ist unverzichtbar, um Vorchor und Hauptchor zusammen zu bringen.

Vor- und Hauptchoristen spielen zusammen Völkerball.

Dennoch gingen die Proben auch noch nach dem Abendessen weiter. Der Vorchor nutzte den Abend, um aus Plastikflaschen „Respyman“ zu basteln, eine Puppe, anhand der man die Atmung anschaulich nachvollziehen kann.

Nun könnte man meinen, dass insbesondere die sieben- bis neunjährigen Vorchoristen von diesem Tag restlos geplättet in ihre Betten fallen müssten – Fehlanzeige! Vollkommen erschöpft, aber dadurch überdreht und bedingt durch eine sich immer weiter aufschaukelnde Gruppendynamik, hielten abenteuerlustige Vorchoristen das Betreuerteam noch bis nach 22:30 Uhr auf Trab, obwohl sie bereits um 21:30 Uhr hätten schlafen sollen. Einige kamen fast überhaupt nicht zur Ruhe und lärmten schon um 4:00 morgens wieder auf ihren Zimmern. Ausgerechnet in der Nacht vor dem Konzerttag störten sie so auch die Hauptchoristen – ein gedankenloses Verhalten, dass nicht ohne Konsequenzen bleiben sollte.

Andere Vorchoristen hatten Schwierigkeiten mit dem Einschlafen, weil sie teilweise zum ersten Mal ohne ihre Familie unterwegs waren – aber darauf war das Team vorbereitet, und alle Betroffenen überwanden ihr Heimweh und lächelten am nächsten Morgen, als wäre nichts gewesen. Dieses Erfolgserlebnis ist wohl von unschätzbarem Wert für das Selbstbewusstsein dieser jungen Sänger.

Germershausen 2019, Tag 3 (08.08.2019)

Die ganze Zeit nur zu singen wäre ja auch langweilig…

Auch heute haben sich ein paar Choristen schon früh auf den Weg gemacht und eine Runde durch die umliegende Landschaft gedreht. Danach: Wecken für alle, Frühstück, Zähneputzen und dann ging es auch schon wieder ans Singen. Eine halbe Stunde Einsingen bei unserer Stimmbilderin Sabine Birkenfeld bereitete exzellent auf den Probentag vor. Ein solcher Probentag ist für die jungen Stimmen sehr anstrengend, nicht nur wegen der Proben, sondern auch wegen der vielen Fußballmatches und Poolbesuche zwischendurch… Zur Entspannung machen unsere „kleinen“ Sänger (Sopran & Alt) mit Sabine Birkenfeld deswegen die eine oder andere Regenerationsübung, wie zum Beispiel das sogenannte „Lax-Vox“.  Diese Übung ist vergleichbar mit dem Dehnen nach dem Sport. Durch kontrolliertes Singen durch einen etwas abgewandelten Strohhalm in eine Wasserflasche werden die Mundmuskulatur und die Stimmbänder gelockert.

Auch die Männerstimmen bekamen heute wieder ein höchst effektives Entspannungstraining von Florian Franke, welches sehr gut ankam.

Beim Mittagsessen hatten wir heute etwas technische Unterstützung bei der Auswahl der Essensreihenfolge: Zum Buffet wird sich immer tischweise angestellt. Die Frage, welcher Tisch anfängt, ist leidenschaftlich umstritten, weshalb eine zufällige Auslosung des ersten Tisches sehr wichtig für den sozialen Frieden auf der Freizeit ist.

In der folgenden Mittagsruhe während der Mittagspause haben einige Sänger das gute Wetter genutzt und an der frischen Luft die Streiche von „Max und Moritz“ als Hörbuch genossen. Andere verbrachten diese Dreiviertelstunde lesend oder schlafend in ihren Zimmern.

Wilhelm Busch’s Plisch und Plum auf dem Rasen der Bildungsstätte.

Zu guter Letzt noch ein Update zum Mörderspiel: Da es nur noch sieben Überlebende gibt, startet das Spiel heute Abend in eine neue Runde. Nachdem alle Sänger wieder leben, geht das ganze von vorne los. Allerdings wird der Vorchor, der morgen anreist, nicht in das Mörderspiel mit einbezogen: Sich gegenseitig hinterhältig umzubringen, wäre dem gegenseitigen Kennenlernen nicht unbedingt förderlich.

Germershausen 2019, Tag 2 (07.08.2019)

Einige sportliche Choristen begannen den Tag mit einer Joggingrunde in der wunscherschönen Umgebung. Während viele Knabenstimmen bereits früh wie zu Schulzeiten wach wurden, würde die Mehrheit der Männerstimmen wohl am liebsten bis 11:00 schlafen. So ist das für 8:30 terminierte Frühstück ein Kompromiss, der sich wie jeder gute Kompromiss dadurch auszeichnet, dass keiner mit ihm zufrieden ist…

Heute stand natürlich die musikalische Arbeit im Vordergrund. Dabei wurden auch neue Methoden zur Anwendung gebracht. Denn in diesem Jahr begleitet uns zum ersten Mal nicht nur mit Sabine Birkenfeld eine Stimmbildnerin für die Knabenstimmen, sondern auch Florian Franke, der sich vor allem um die Männerstimmen kümmert. Neben kurzen Einzelstimmbildungseinheiten gab Florian dem Männerchor auch Übungen für eine bessere Körperwahrnehmung und Atmung an die Hand.

Das ist kein Yogakurs, sondern dient der Atmung.

Frank Bodemeyer hat für die Mutanten (der fachsprachliche Begriff für das Stadium zwischen Knaben- und Männerstimme) ein Programm erarbeitet, welches sie auch mit musiktheoretischen Inhalten auf ihr Dasein als Männerstimme vorbereitet. Dank dieser breiten Aufstellung unserer musikalischen Mitarbeiter ist eine abwechslungsreiche Probenarbeit möglich, so beispielsweise auch vier parallele Stimmproben.

Leider weilen fast zwei Drittel des Chores nicht mehr unter uns, den einige Profikiller haben schon mehrfach zugeschlagen – gut, dass bei uns auch Leichen singen können!

 

Probenfreizeit 2019, Tag 1 (06.08.2019)

Bereits am Vortag transportierte ein fleißiges Team einen Transporter voll mit wichtigen Gegenständen, darunter zwei E-Pianos, nach Germershausen zur Bildungsstätte. So konnte der erste Tag der Probenfreizeit auch für das Organsiationsteam in diesem Jahr entspannt angegangen werden.

Drei Klaviere auf einem Fleck.

Die  Radfahrer kamen dieses Jahr als erste an. Aufgeteilt in zwei Gruppen, waren die 25 Fahrer schon um 9:00 morgens („tief in der Nacht“) vom OHG in Göttingen losgefahren. Trotz diverser platter Reifen und abspringenden Ketten sowie einigen anderen Kleinigkeiten kamen am Ende alle in Germershausen an, wenn auch nicht alle auf dem Rad.

Motiviert bis zum letzten Kilometer…

Nach einer kurzen Pause mit einer kleinen Stärkung und dem Beziehen der Zimmer ging es für die meisten zunächst zum Abkühlen in den Pool. Gleichzeitig wurden auch schon die ersten Spiele und Bücher ausgepackt, um die Zeit bis zum Eintreffen der restlichen Sänger und dem musikalischen Beginn unserer Freizeit für eine kurze Erholung zu nutzen. Als dann schließlich alle Sänger angekommen waren und „Kaffee & Kuchen“ genossen haben, ging es dann auch endlich los. Die nur zwei Proben (vor und nach dem Abendbrot) ließen den Sängern genügend Freizeit, um den ersten Abend mit Spiel & Spaß zu genießen.

Frisbeespiel auf dem Rasen der Bildungsstätte.

Mit dem Abendbrot begann wie im letzten Jahr wieder das große Töten. Beim „Mörderspiel“ geht es darum, so viele Mitsänger wie möglich umzubringen, indem man seinem Opfer einen Gegenstand mit der rechten Hand übergibt. Zahlreiche Sänger überlebten nicht einmal den Abend. Das Spiel läuft während der gesamten Freizeit, bis nur noch einer übrig ist…